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AUßERGEWÖHNLICHE BELASTUNGEN BEI DER STEUER

Was sind außergewöhnliche Belastungen und wie wirken sie sich auf die Steuer aus? Wir erklären, welche unerwarteten Ausgaben vom Finanzamt anerkannt werden und wieviel dabei steuerlich geltend gemacht werden kann.

Was sind außergewöhnliche Belastungen?

In der Einkommensteuererklärung lassen sich verschiedene Ausgaben, die man im Laufe eines Jahres hatte, von der Steuer absetzen. Dazu gehören auch die sogenannten außergewöhnlichen Belastungen, die auf jeden Steuerzahler zukommen können. Der Staat hat für jeden Bürger, der eine Steuererklärung abgeben kann oder muss, eine Grenze der zumutbaren Belastung gesetzt hat. Wird diese Grenze überschritten, gibt es vom Staat Geld zurück.

Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Außergewöhnliche Belastungen sind Aufwendungen, die durch ein unvorhergesehenes Ereignis entstehen. Ein solches Ereignis kann zum Beispiel der Tod eines Angehörigen und der damit verbundene Beerdigungsaufwand sein, aber auch unabwendbare Ereignisse wie Naturkatastrophen können unerwartete Ausgaben verursachen. Liegen diese Aufwendungen über der Grenze der jeweiligen zumutbaren Belastung, besteht die Möglichkeit, diese Kosten als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abzusetzen. Die gesetzliche Regelung dazu findet sich im § 33 Absatz 2 des Einkommensteuergesetzes.

Im Folgenden sind einige Beispiele aufgeführt, die zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen und gegebenenfalls entsprechend steuerlich geltend gemacht werden können:

Bestattungskosten und Grabinstandhaltung
Grundsätzlich sind Beerdigungskosten für Angehörige steuerlich abziehbar, sofern diese nicht durch den Nachlass gedeckt werden können. Im Detail können Aufwendungen für den Sarg und die Grabstätte, Blumen und Kränze, Trauerkarten und die Todesanzeige als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden. Kosten für die Grabpflege, die Trauerkleidung sowie Fahrtkosten zur Beerdigung hingegen sind nicht absetzbar.

Fahrtkosten behinderter Menschen

Info

Wer unerwartete Ausgaben hatte, aber unsicher ist, ob diese zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen, sollte sich mit einem Steuerberater oder einem anderen Steuerrechtsexperten in Verbindung setzen.

Menschen mit Behinderungen können Fahrtkosten für Privatfahrten steuerlich geltend machen. Wichtig ist ein Grad der Behinderung von mindestens 80 beziehungsweise 70 mit dem Merkzeichen “G”. Allerdings setzt der Staat hier eine Grenze – Kosten für weniger als 3.000 km jährlich können steuerlich geltend gemacht werden. Menschen, die außergewöhnlich behindert, blind oder hilflos sind, können Fahrtkosten von bis zu 15.000 km im Jahr als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen.

Allergien und Allergiebettwäsche
Kosten für das Beseitigen oder den Austausch allergieauslösender Mittel und Gegenstände (bei Asbest, Pollenallergie, etc.) können steuerlich geltend gemacht werden. Allergiebettwäsche ist jedoch nur dann absetzbar, wenn die medizinische Notwendigkeit ihrer Anschaffung nachgewiesen wird.

Schäden bei Katastrophen
Wer zu Ausgaben gezwungen wird, die als Folge unabwendbarer Ereignisse wie z. B. Erdbeben, Überflutungen, Stürmen oder Bränden entstehen, kann diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen.

Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung
Kosten für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung, die aufgrund eines unabwendbaren Ereignisses wie beispielsweise Krieg, Vertreibung oder Naturkatastrophe entstanden sind, lassen sich ebenfalls von der Steuer absetzen. Diese außergewöhnlichen Belastungen müssen jedoch in ihrer Höhe notwendig und angemessen sein. Darüber hinaus dürfen die neuen Kosten den Wert der verloren gegangenen Gegenstände nicht übersteigen, andernfalls werden sie nicht anerkannt.

Heimunterbringung
Wer Angehörige in einem Pflegeheim unterbringen muss, kann die Kosten dafür steuerlich geltend machen. Auch wer die Pflege persönlich in der eigenen Wohnung oder in der Wohnung des Pflegebedürftigen übernimmt, kann einen Pflegepauschbetrag als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

In der Praxis existieren noch mehr Fälle, die unter außergewöhnliche Belastungen fallen und von der Finanzverwaltung anerkannt werden. Auch Kosten zur Linderung bestimmter Krankheiten, Gerichts- und Anwaltskosten bei Ehescheidung, Ausgaben für Heilpraktiker, Hörgeräte und Sehhilfen sowie Aufwendungen für die künstliche Befruchtung bei Empfängnisunfähigkeit der Ehefrau können als außergewöhnliche Belastungen anerkannt und bei der Steuererklärung berücksichtigt werden.

Wie hoch ist die zumutbare Belastung?

Beispiel

Ein verheiratetes Paar mit einem Kind hat ein gemeinsames Bruttoeinkommen von 50.000 € jährlich. Die zumutbare Belastung in diesem Fall liegt bei 3 %, also bei 1.500 €. Übersteigen die außergewöhnlichen Belastungen diesen Betrag, kann alles, was darüber liegt, von der Steuer abgesetzt werden.

Wann ein Steuerzahler die Grenze der zumutbaren Belastungen erreicht, ist stets ganz individuell und hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst einmal ist für die Berechnung dieser Grenze das Jahreseinkommen ausschlaggebend. Des Weiteren spielt es eine Rolle, ob man alleinstehend oder verheiratet ist. Und schlussendlich kommt es auch darauf an, ob und wie viele Kinder vorhanden sind.

Die folgende Tabelle gibt die zumutbaren Kosten bei außergewöhnlichen Belastungen in Prozent wider:

Gesamtbetrag der Einkünfte Alleinstehend Verheiratet 1-2 Kinder mehr als 2 Kinder
bis 15.340 € 5 % 4 % 2 % 1 %
15.341 €- 51.130 € 6 % 5 % 3 % 1 %
über 51.130 € 7 % 6 % 4 % 2 %

 

So überprüft der Staat außergewöhnliche Belastungen

Werden außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung angegeben, müssen alle entsprechenden Ausgaben selbstverständlich belegt werden. Für Steuerzahler bedeutet das, dass sie alle Belege schon über das Jahr sammeln, aufbewahren und sie anschließend ihrer Steuererklärung beifügen müssen. Denn die Anspruchsvoraussetzungen müssen sorgfältig geprüft werden, damit man bei der Steuer außergewöhnliche Belastungen geltend machen kann.

In einigen Situationen müssen bestimmte Dokumente vorliegen, bevor konkrete Ausgaben getätigt werden. Das ist dann der Fall, wenn man beispielsweise Anschaffungen aus gesundheitlichen Gründen tätigt (Hörgeräte, Brillen, etc.) – hier muss zuerst ein ärztliches Gutachten vorliegen, das die Notwendigkeit dieser Anschaffungen belegt. Es ist daher sehr sinnvoll, sich immer vorab zu informieren, ob eine spezielle Bescheinigung schon vor der Anschaffung ausgestellt worden sein muss.

Außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung

In der Steuererklärung lassen sich die außergewöhnlichen Belastungen direkt im Mantelbogen auf Seite drei eintragen. Die Kosten können nur in der Steuererklärung für das Jahr berücksichtigt werden, in welchem sie tatsächlich angefallen sind.

Seit 2013 sind Zivilprozesskosten nicht mehr als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzbar. Erstattet wird ein Teil dieser Aufwendungen nur dann, wenn der Steuerzahler einen Prozess führen musste, um eine Bedrohung seiner Existenz abzuwenden. Die unvermeidbaren Kosten einer Scheidung können nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes (Az. VI R 63/14) jedoch steuerlich geltend gemacht werden, und zwar betrifft es die Gerichts- und Anwaltskosten für die Scheidung selbst sowie für den Versorgungsausgleich.