Stundensatz: Steuerberater dürfen auch eine Zeitgebühr nehmen

Wer sich schon einmal näher mit dem deutschen Steuerrecht beschäftigt hat, versteht, warum die Einschaltung eines Steuerberaters für alle Unternehmen und einen überwältigenden Teil der Privatbevölkerung sinnvoll ist: Die Rechtslage ist einfach zu verworren, als dass selbst eine einfache Steuererklärung ohne Weiteres zu erledigen wäre. Nach einem informativen Erstgespräch (welches im Übrigen oft kostenlos angeboten wird), können dann auch die finanziellen Dinge schnell geklärt werden. In der Regel werden Beratungsleistungen nach den Tabellen der StBVV (Steuerberatervergütungsverordnung) ausgerechnet, an welche sich der Berater laut § 64 Abs. 1 StBerG zwingend halten muss.

Ein nachvollziehbarer Stundensatz ist für Steuerberater und Mandanten gleichermaßen wichtig.

Bei regelmäßigen Routineaufgaben, die vor allem langwierig und rechenintensiv ausfallen, wird jedoch oft nach einem Stundensatz für Steuerberater gerechnet (§ 9 Abs. 2 StBVV). Wie der Stundensatz genau aussieht und welche Sätze für verschiedene Leistungen üblich sind, lesen Sie im folgenden Guide.

Der Stundensatz – Steuerberater orientieren sich auch hier nach der StBVV

Ähnlich wie bei der Leistungsvergütung für Einzelleistungen muss sich auch der Stundensatz für Steuerberater an der StBVV orientieren. Die sogenannte Zeitgebühr wird vor allem für Aufgaben erhoben, die über einen längeren Zeitraum laufen und bewegt sich innerhalb einer Spanne von 30 € bis 70 € je angefangener halber Stunde (§ 16 StBVV).

Vorsicht: Die meisten Steuerberater fügen die laut § 15 StBVV zu entrichtende gesetzliche Umsatzsteuer von 19 % ihrem Stundensatz direkt bei – wer in Ausnahmefällen hinterher (unabgesprochen) auf einen höheren Steuerberater-Preis kommt, weiß nun allerdings, warum.

Der Stundensatz für Steuerberater kann auch im Einvernehmen mit dem Mandanten höher veranschlagt werden. Verantwortlich hierfür sind in der Regel Herausforderungen bei einer ohnehin zeitaufwendigen Arbeit – wie in etwa einem Jahresabschluss nach einem besonders turbulenten Geschäftsjahr. Auch in diesem Fall darf der Stundensatz gemäß § 64 StBerG allerdings den Rahmen des Angemessenen nicht überschreiten. Dieser setzt sich aus der Art der Aufgabe, dem Wert des Objektes und dem Zeitaufwand zusammen.

Übrigens: Gerade im Bereich großer internationaler Unternehmen ist es gang und gäbe, eine Vereinbarung über einen höheren Stundensatz zu treffen. Ein Stundensatz für Steuerberater von über 500 € ist hier durch den enormen Arbeitsumfang und dafür nötige fachliche Kompetenz keine Seltenheit.

Beispiele für einen Stundensatz: Steuerberater rechnen oft mit dem Mittelwert

Wer nun als Privatperson oder Kleinunternehmer angesichts solcher Preise einen Schreck bekommt, der darf beruhigt sein: Sehr oft rechnen Steuerberater mit einem Mittelwert, der sich an den in § 16 StBVV aufgeführten Gebühren orientiert – Steuerberaterkosten von 50 € pro halber Stunde liegen also durchaus noch im Rahmen. In der Praxis sinkt selbst dieser Stundensatz bei Routineaufgaben wie dem Erstellen einer Einkommensteuererklärung zumeist auf 35 € bis 40 €. Wenn der eigene Steuerberater also bei 35 € je angefangener halber Stunde zwei Stunden braucht, um eine Einkommensteuererklärung ohne Ermittlung der einzelnen Einkünfte zu erstellen, dann zahlt der Mandant eine Grundgebühr von 140 €, die mit der gesetzlichen Umsatzsteuer von 19 % auf 166,60 € kommt – ein kleiner Preis für die Sicherheit, steuerlich gesehen solide dazustehen und vielleicht sogar vom Finanzamt ein wenig wiederzubekommen.

Wenn es sich um einen etwas komplizierteren Sachverhalt handelt, wächst der Stundensatz für Steuerberater natürlich auch dementsprechend. Eine Einkommensteuererklärung mit zusätzlichen Einkünften aus der Vermietung kommt in unserem Beispiel (bei Mieteinkünften von mindestens 8.000 €) auf etwa 400 €, denn nach § 27 StBVV müssen die Mieteinkünfte separat berechnet werden.

Übrigens: Wer Sonderaufgaben wie z. B. eine Prozessvertretung vor dem Finanzgericht (§ 62 FGO) oder eine kompetent geführte Mediation anstrebt, muss mit Stundensätzen von bis zu 200 € rechnen. Steuerberater nehmen in diesem Fall einen so hohen Stundensatz, da derartige Aufgaben oft einen Großteil der Arbeitskraft der gesamten Kanzlei einnehmen – vor allem, wenn es sich nicht um eine Großkanzlei handelt.