Die Steuerkanzlei will gut gewählt sein, samt der passenden Rechtsform

Wer als Bürger der Bundesrepublik Deutschland auch nur in den geringsten Kontakt mit der steuerlichen Gesetzgebung gerät, wird über kurz oder lang einen kompetenten Steuerberater kontaktieren. Das Steuerrecht ist für Laien schlicht und ergreifend zu komplex, um an dieser Stelle im Alleingang zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Worauf muss man bei der Wahl eines Steuerberaters jedoch achten?

Findet der Mandant die geeignete Steuerkanzlei, hat er einige Sorgen weniger.

Neben der menschlichen Komponente und der fachlichen Kompetenz des Beraters muss der Mandant auch die richtige Steuerkanzlei wählen. Dazu gehören neben den Kanzleizielen auch die Rechtsform der Kanzlei und deren Kompetenzbereiche. Wie man die richtige Steuerkanzlei wählt und auf welche Art und Weise sich Steuerkanzleien voneinander unterscheiden können, lesen Sie im folgenden Guide.

Welche Rechtsformen eine Steuerkanzlei annehmen kann

Die erste Entscheidung bei der Wahl einer Steuerkanzlei lautet immer, welche Rechtsform der Mandant bevorzugt. Zwar betrifft die Form der Kanzlei noch am ehesten die dort tätigen Steuerberater, doch in bestimmten Fällen kann die Rechtsform auch in Bezug auf Haftungsfragen wichtig werden.

Den Beginn macht die klassische Steuerberaterkanzlei, in welcher ein einzelner Steuerberater wirkt, der gegebenenfalls von Steuerfachangestellten und Buchhaltern unterstützt wird. Die Kanzlei muss gemäß § 34 Abs. 1 StBerG direkt nach der Bestellung gegründet und unterhalten werden – als Freiberufler unterliegen Steuerberater nämlich nicht der Gewerbeordnung, sondern dem sogenannten Steuerberatungsgesetz. Egal welche Form die Steuerkanzlei annimmt, sie muss sich in jedem Fall an die Steuerberater-Gebührenverordnung (StBGebV) und die darin festgelegten Sätze halten (§ 64 StBerG). Einer Nebentätigkeit darf der Steuerberater § 32 StBerG nicht nachgehen. Auch eine Haftpflichtversicherung muss der Steuerberater vorweisen (§ 51 StBerG), die mindestens 250.000 € bei einer Jahreshöchstleistung von 1.000.000 € betragen muss (§ 33 StBerG). All das dient dazu, die Sicherheit für den Mandanten zu gewährleisten, da eine Steuerkanzlei einen großen Einfluss auf das wirtschaftliche Wohl ihres Mandanten hat und für dieses bei Fehlentscheidungen haftet.

Alle vorangegangenen Bedingungen gelten auch für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) (§ 49 StBerG). Steuerkanzleien werden, besonders im Falle von eher kleinen Zusammenschlüssen, gerne in dieser Rechtsform gegründet, da dies für Berater und Mandanten einige Vorteile mit sich bringt. Die erste Form der GbR ist die Bürogemeinschaft, ein kleines Steuerbüro, in welchem sich zwei oder mehrere Steuerberater ihre Räumlichkeiten teilen, rechtlich gesehen aber eine GbR als Innengemeinschaft darstellen. Auf gut Deutsch: Jeder Steuerberater haftet einzeln für eventuelle Fehler. Die Kosten aller Geräte und Räumlichkeiten werden jedoch nach einem zuvor vereinbarten Schlüssel verteilt. Eine Steuerkanzlei, welche die Form einer Sozietät oder Partnerschaft annimmt, stellt eine GbR mit Außenvertretungsbefugnis dar, also die ganz klassische Gesellschaft bürgerlichen Rechts – die Steuerkanzlei haftet als Ganzes, samt allen dort angestellten Steuerberatern.

Ziele, Kompetenzen und Gesellschaften – Steuerkanzleien bieten für jeden etwas

Neben Aktiengesellschaften (AG), Kommanditgesellschaften (KG), offenen Handelsgesellschaften (oHG) und Partnerschaftsgesellschaften werden vor allem Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) sehr häufig als Steuerkanzleien anerkannt. Der Vorteil einer Gesellschaft ist für den Mandanten der, dass laut § 50 Abs. 2 StBerG auch Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und vereidigte Buchprüfer als Mitglieder einer Gesellschaft zugelassen werden können. Zwar kann sich auch ein klassischer Steuerberater als Einzelunternehmer zusätzlich zum Wirtschaftsprüfer weiterbilden lassen, die Vielseitigkeit und Leistungsstärke einer großen Gesellschaft wird er aber nur selten erreichen.

Achtung: Schlechter ist die klassische Steuerkanzlei deshalb aber nicht. Die Auswahl sollte eher unter dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit getroffen werden: Braucht der Mandant als Privatperson eine Steuerkanzlei, die ihm auch von der menschlichen Seite her zusagt? Oder handelt es sich eher um ein großes Unternehmen, welches eine möglichst umfangreiche steuerliche Beratung und spezialisierte Kompetenzbereiche benötigt? Zu den speziellen Kompetenzen einer Steuerkanzlei können z. B. das internationale Steuerrecht, die Spezialisierung auf die Systemgastronomie oder eine besondere Kompetenz auf dem Bereich der mittelständigen Immobilienunternehmen gehören. Die Buchhaltung, die Erstellung von Steuererklärungen und eine generelle Beratung in Sachen Steuern gehören hingegen in jeder Kanzlei zu den Grundvoraussetzungen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut sich die Kanzleiziele an, in denen die Stärken der Steuerkanzlei in der Regel auch für Laien recht anschaulich dargestellt werden. Ein Fokus auf subjektive Ziele wie z. B. die Mandantenzufriedenheit und eine langfristige Bindung ist vor allem für Privatpersonen interessant, die eine etwas ausgeprägtere Routiniertheit vonseiten des Beraters als störend empfinden. Wirtschaftliche Zielsetzungen wie z. B. das Erwirtschaften von Rücklagen oder die Kostendeckung sind für Unternehmer und Großunternehmen gleichermaßen interessant, während eine Steuerkanzlei, die sich vor allem objektive und qualitative Ziele wie z. B. die Einhaltung von Fristen und die Leistungserbringung nach ISO-Normen auf die Fahne schreibt, sehr gut für international agierende Konzerne geeignet ist. Ebenfalls eine hervorragende Informationsquelle stellen Onlinebewertungportale dar, auf welchen der Mandant nicht nur eine Gesamtbewertung, sondern auch die Meinung der Mandanten der jeweiligen Steuerkanzlei einsehen kann.